Internationaler Arbeitsmarkt-Index

15.11.2006

Bad Homburg

Deutschland gibt rote Laterne an Großbritannien ab.

Gemäß des zweimal jährlich erscheinenden Career-Confidence-Index der internationalen Unternehmensberatung Right Management liegt Deutschland im Vergleich mit anderen Industrienationen mit Blick auf das Vertrauen in die Sicherheit des Arbeitsplatzes und die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt erstmals seit geraumer Zeit nicht mehr an letzter Stelle. Der Indexwert setzt sich aus zwei Komponenten zusammen. Erfragt wird die Wahrscheinlichkeit eines Jobverlustes sowie die Aussicht, im Falle eines Arbeitsplatzverlustes eine neue Position mit annähernd gleicher Bezahlung zu finden.
 

Deutschland erzielt im No­vem­ber 2006 - vor dem Hinter­grund des Maximalwertes von 100 - einen Indexwert von 46,6. Dies bedeutet eine ge­ring­fügige Verbesserung gegen­über dem Wert von 46,1 im Mai 2006. Damit bleibt Deutsch­land allerdings weiter­hin deutlich unter dem euro­pä­ischen Durchschnittswert, der sich von 57,2 im Mai 2006 auf 59,4 im November verbesserte. Die weiterhin schlechte Platzierung Deutschlands geht – wie schon bei voran­ge­gange­nen Erhebungen - vor allem auf die Angst zurück, nach einer Kündigung keine neue Anstellung zu finden. 92,8 Prozent (93,5 Prozent im Mai 2006) der befragten Arbeit­nehmer in Deutschland sind pessimistisch, nach einem Jobverlust wieder eine ver­gleichbare Anstellung zu fin­den.

 

Die Berater von Right Manage­ment kennen den Pessimismus der Deutschen nur zu gut. Sie sind involviert, wenn Ent­lassungen und Outplacements für Einzelne oder Teams an­stehen. „Manchmal treffen wir auf Arbeitnehmer, die sich seit mehr als 20 Jahren nicht vom Fleck bewegt und die es ver­lernt haben, ihre eigenen Stär­ken und Ziele zu formulieren. Da überwiegen natürlich Un­sicherheiten und Ängste.“, so Klaus Fjalland, Operations Manager von Right Manage­ment Deutschland/Europa, der den Schlüssel zum Optimismus in der kontinuierlichen Weiter­entwicklung der Arbeitskraft sieht. „Wer heute stehen bleibt und unflexibel ist, wird schnell von seinen Mitbewerbern am Arbeitsmarkt überholt. Bei unserer täglichen Arbeit wecken wir Potenziale und weisen Wege in eine neue berufliche Zukunft.“

 

Mit Blick auf die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust selbst be­legt Deutschland mit 12,6 Pro­zent einen Mittelfeldplatz (12,5 Prozent im Mai 2006). Die Angst vor Arbeitsplatzverlust hat das Vereinigte Königreich im November 2006 auf den letzten Platz  zurückgeworfen. Insgesamt äußerten 30,4 Pro­zent der befragten Briten Sorge um den eigenen Arbeitsplatz, dieser Wert liegt deutlich über dem Durchschnitt.

 

Right Management befragte weltweit 9.098 Mitarbeiter aus Australien, Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Hong­kong, Irland, Italien, Japan, Kanada, Niederlande, Nor­wegen, Schweden, Schweiz, Spanien, Südkorea, UK und den USA. In Deutschland wur­den 385 Mitarbeiter befragt.

 

Insgesamt entwickelte sich das Vertrauen in die Arbeitsmärkte positiv. Weltweit erreicht der Index im November 2006 mit 58,6 den höchsten Wert seitdem er im Mai 2003 erstmals ermittelt wurde. Die positivste Einschätzung des Arbeitsmarktes gibt es in Nor­wegen (Indexwert 76,8), ge­folgt von Japan (Indexwert 74,6) und Dänemark (Index­wert 72,8) auf den Rängen zwei und drei.

 

Klaus Fjalland wünscht sich mehr Zuversicht in Deutsch­land: „Offensichtlich verbessert sich die Stimmung in Hier­zulande parallel zu den günsti­geren Wirtschaftsdaten und Arbeitslosenzahlen. Nach wie vor ist die Zuversicht, im Fall eines Jobverlust zügig eine neue Stelle mit zu­frie­den­stel­len­der Bezahlung zu finden relativ gering. Dieser Eindruck ist verständlich, aber einseitig. Insbesondere gut qualifizierte Arbeitnehmer finden oft schnell einen neuen Job, der ihrer Kompetenz und Erfahrung entspricht.“

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